Hand-Fuß-Syndrom

Oktober 2010

Prophylaxe und Behandlung

Beim so genannten „Hand-Fuß-Syndrom“handelt es sich um eine Hautveränderung, die als Nebenwirkung von bestimmten Chemotherapien auftreten kann. Die Symptome können an Händen und Füssen auftreten und reichen von einer Rötung der Haut über Schwellungen hin zu Blasen- und Geschwürbildungen. Das Hand-Fuß-Syndrom kann zum Beispiel bei Patientinnen auftreten, die Capecitabin (Xeloda®) einnehmen. Capecitabin ist eine sehr wirksame, orale Chemotherapie, die beim metastasierten Brustkrebs (Mammakarzinom) eingesetzt wird. Es handelt sich um eine Chemotherapie in Tablettenform, sie kann also zuhause und unterwegs eingenommen werden und bietet somit der Patientin ein großes Maß an Unabhängigkeit

Ein weiterer Vorteil der Therapie ist, dass dieser Wirkstoff keinen Haarverlust nach sich zieht. Schätzungen zufolge sind jedoch rund zwei Drittel der Patientinnen, die mit diesem Medikament behandelt werden, vom Hand-Fuß-Syndrom betroffen, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen (siehe Tabelle). Es ist nicht abschließend geklärt, warum dieses Phänomen gehäuft unter der Einnahme von Capecitabin auftritt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass es sich bei einer Therapieunterbrechung in der Regel rasch zurückbildet. Wichtig ist, dass Patientinnen, die Capecitabin erhalten, über das mögliche Auftreten eines Hand-Fuß-Syndroms informiert sind und durch entsprechende Maßnahmen diese Nebenwirkung sehr gut in den Griff bekommen können.



Das Hand-Fuß-Syndrom kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Schon vor Beginn der Therapie mit Capecitabin gilt es, präventive Maßnahmen konsequent zu beachten. Bei Auftreten von Grad 1 Nebenwirkungen sollten diese Maßnahmen intensiviert werden. Betroffene sollten Feuchtigkeitsspendende Cremes, bei Vorliegen von Hornhaut einen Horn lösenden Wirkstoff (Keratinolytika) verwenden. Außerdem ist eine regelmäßige, klinische Kontrolle wichtig. Es gibt jedoch in diesem Stadium keinen Anlass, die Therapie zu unterbrechen oder die Dosis zu verringern. Sobald die Ausprägung Grad 2 erreicht, sollte die Therapie zunächst unterbrochen und der behandelnde Arzt, das onkologische Pflegepersonal oder gegebenenfalls ein Dermatologe konsultiert werden. Die Hautveränderungen können lokal therapiert werden, beispielsweise mit Betamethason haltigen Salben. Möglicherweise auftretende Schmerzen können medikamentös behandelt werden. Da die Beschwerden an Händen und Füssen während einer Therapieunterbrechung in der Regel sehr schnell abheilen, kann die Therapie meist nach wenigen Tagen fortgesetzt werden, zunächst in der alten Dosis. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wirkung der Therapie durch eine kurze Unterbrechung oder eine Dosisreduktion nicht beeinträchtigt wird. Wenn das Hand-Fuß-Syndrom Grad 2 wieder auftritt, muss nach Unterbrechung der Therapie und Rückgang der Beschwerden die Dosis reduziert werden beziehungsweise die Therapie nach mehrmaligem Auftreten ganz beendet werden.



Prof. Dr. Andreas Schneeweiss
Sektionsleiter Frauenklinik und Nationales
Centrum für Tumorerkrankungen
Universitätsklinik Heidelberg
Voßstr. 9
69115 Heidelberg